Die Gewöhnliche Wegwarte

Cichorium intybusL.

Die Wegwartenblüte

Die Wegwarte wartet an vielen Wegen, daher kann der deutsche Name nicht treffender sein. Aber auf was wartet sie da am Wegesrand?

Cichorium intybusNa ja, auf jeden Fall auf besseres Wetter, denn sie öffnet ihre Blütenkörbchen nur bei Sonnenschein, dann aber schon am frühen Morgen und meist führt die hochsommerliche Mittagshitze zum schnellen Verblühen der zarten, hellblauen Zungenblüten (das Blütenkörbchen enthält nur Zungenblüten). Aber die Wegwarte produziert den ganzen Sommer über zahlreich immer neue Blüten an ihren überaus sparrigen und reich verzweigten Stängeln, die aus einer grundständigen löwenzahnähnlichen Blattrosette entspringen. Die Blätter der Rosette sind fiederspaltig, nach oben zu werden diese aber immer einfacher, lanzettlicher und kleiner. Die spindelförmige Pfahlwurzel verankert sich fest im stickstoffsalzreichen, eher nicht zu trockenen Lehmboden, der steinig und verdichtet sein kann, was an Wegrändern ja auch meist der Fall ist. Aus dieser Wurzel treibt die Staude jedes Jahr neu aus, teilweise überdauert die grundständige Blattrosette den Winter.
Die ganze Pflanze enthält einen bitter schmeckenden milchigen Saft.

Neben dieser Wildform, die als Heilpflanze zur Anregung der Drüsenfunktion, der Leber- und Gallenfunktion, zur Appetitanregung und bei Verdauungsstörungen eingesetzt wird, nutzen wir auch nahe Verwandte und Zuchtformen der Wegwarte als Kulturpflanzen, als Gemüse und Salat: Cichorium sativum zur Cichoriengewinnung, den Chicorée-Salat und den Endivien-Salat (Cichorium endivia).

WegwarteDie enge Verwandtschaft zum Löwenzahn erklärt auch die folgende Aussage des Apothekers M. Pahlow:
"Ganz ähnlich wie jene des Löwenzahns sehe ich die Wirkung der Wegwarte, so dass ich eine Mischung aus beiden Heilpflanzen als eine gute Verbindung empfehlen möchte. Mit etwas Pfefferminze erhält man eine Teemischung, die sich zur Frühjahrs- oder Herbstkur bestens eignet."

Cichorii herba (Wegwartenkraut), wenn davon überhaupt die Rede sein kann, denn, wie oben erwähnt, handelt es sich eher um Stängel, kann im Juli zur Blütezeit geerntet und schnell getrocknet werden. Cichorii radix (Wegwartenwurzel) kann im Spätherbst geerntet werden.

Aber man kann sie auch einfach stehen lassen und sich an der zarten und vergänglichen Blütenpracht erfreuen, denn vielleicht wartet die Wegwarte am Wegesrand gerade darauf. So gesehen ist sie dann auch eine Heilpflanze für die Seele.

Wegwarte am Weg- und Feldrand

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