In diesem Stadium stellt die Tollkirsche eine
ernstzunehmende Gefahr für im Wald umherstreunende, unwissende Kinder dar,
da schon 3-4 Beeren, die ja appetitlich aussehen und auch nicht schlecht
schmecken (keine eigene Erfahrung!), für Kinder tödlich sein können. Aus
diesem Grunde sollten Kinder bei Waldspaziergängen mit der Pflanze bekannt
gemacht und über ihre Giftigkeit aufgeklärt werden!!
Im Herbst sterben die oberirdischen Pflanzenteile ab. Die Tollkirsche
überwintert im Wurzelstock, um im Mai erneut auszutreiben.
Aus einem Buch über Pflanzengifte entnehme ich erschreckende
Vergiftungserscheinungen, die schon innerhalb einer viertel Stunde
einsetzen:
Unruhe und allgemeine Erregung oft auch
in erotischer Hinsicht. Starke Euphorie (Lachen, übersteigerte
Heiterkeit), die aber schnell in Weinkrämpfe umschlagen können. Starker
Bewegungsdrang, Tanzlust.
Diese Zustände verstärken
sich und paaren sich mit Verwirrtheit, Halluzinationen, Zunahme des
Erregungszustandes bis hin zu Tobsuchtsanfällen...
Nun wird uns die Bedeutung des deutschen Namens "Tollkirsche" klar.
Sicherlich wegen dieser halluzinogenen Wirkung war die Tollkirsche
Hauptbestandteil, neben dem Bilsenkraut und der Alraune (ebenfalls
hochgiftige Nachtschattengewächse), in verschiedenen mittelalterlichen
Rausch-, Liebes-, Zauber- und Giftgetränken und -salben. Die sogenannte
"Flugsalbe" enthielt u.a. Tollkirsche und wurde auf die Hexenbesen
aufgetragen...
Weitere Vergiftungserscheinungen:
Die Atmung vertieft und beschleunigt sich. Herzklopfen, Herzrasen,
Blutdruckanstieg, Rötung und Überwärmung und Austrocknen der Haut, stark
erhöhte Körpertemperatur. Reduktion der Speichelsekretion und dadurch
Mund- und Rachentrockenheit, bis hin zu Schluckbeschwerden und
Sprechunvermögen. Diese Hemmung der Sekretion findet auch im Magen und im
Pankreas statt. Diese Wirkung nutzt man in der Medizin unter anderem zur
Operationsvorbereitung.
Die starke Lichtscheu ist
bedingt durch eine maximale Erweiterung und Starre der Pupillen. Wieder
eine Wirkung, die in der Augenmedizin noch heute genutzt wird, nämlich zur
Erweiterung der Pupillen zu diagnostischen Zwecken.
Schöne Frauen müssen große, dunkle Augen und einen verträumten Blick
haben. Dieser Meinung waren zumindest die Menschen im Mittelalter und
erreichten das mit dem Saft der Tollkirsche. Und damit wäre dann auch der
botanische Artname erklärt: "bella-donna" heißt "schöne Dame".
Erschöpfung, Lähmung und Bewusstlosigkeit treten ein, und eine Atemlähmung
führt zur Cyanose.
Dann durchtrennt die Schicksalsgöttin Atropos den
Lebensfaden.