Es handelt sich hier um eine zweijährige Pflanze, die im ersten Jahr eine recht große Blattrosette aus großen, eiförmig-lanzettlichen, gräulich filzig behaarten Blättern bildet.

 

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Erst im zweiten Jahr wächst der Trieb in die Länge und wird oft 2m hoch. An diesem meist aufrechten Stängel erkennt man, dass die Blätter wechselständig angeordnet sind.

Im oberen Bereich bildet sich die einseitswendige Blütentraube mit ihren bauchig-glockigen, hängenden, 3-5cm langen Blüten. Es ist nicht auf den ersten Blick zu erkennen, dass der Blütensaum zweilippig ist, wobei die Oberlippe kaum ausgerandet und die Unterlippe undeutlich in drei Zipfel gegliedert ist. Gelegentlich finden wir auch weiße Blüten.

 

Der Blütenkelch besteht aus fünf Kelchblättern. Die meisten Rachenblütler haben einen derartigen dorsiventralen (zweiseitig symmetrischen) Blütenaufbau, deutlich zweilippig z.B. bei Löwenmaul, oder Augentrost, weniger deutlich bei der Königskerze, die auf den ersten Blick radiärsymmetrisch zu sein scheint.

 

Im Juni und Juli ist die Blütezeit des Roten Fingerhutes. Wir finden ihn an Waldrändern, auf Waldlichtungen, vor allem aber auf Kahlschlägen und auf den Sturmschneisen, die die berüchtigten Jahrhundertstürme der letzten Jahre in die Wälder Süddeutschlands gerissen haben. Dort ist der Boden durch die modernde Biomasse sauer und kalkarm, denn Digitalis purpurea ist kalkscheu. Sie liebt nährstoff-, stickstoff- und humusreiche Lehmböden, die nicht zu trocken werden dürfen. Auch die hohe Luftfeuchtigkeit am Wald kommt ihr zugute.

 

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Die Frucht der Digitalis ist eine Kapsel, aus der im Herbst die winzig kleinen Samenkörnchen ausfallen.

 

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Digitalis ist eine sehr stark giftige, aber wichtige Heilpflanze, ohne die auch die moderne Schulmedizin um einige Präparate ärmer wäre:

Die wichtigsten Inhaltsstoffe sind die herzwirksamen Glykoside. Sie erhöhen und stabilisieren die Pumpleistung des Herzens. "Herzglykoside sind zuckerhaltige Substanzen (Glykoside), die eine Wirkung auf das Herz besitzen und aus Pflanzen wie z.B. Fingerhut-Arten (Digitalis-Arten) gewonnen werden. Durch eine chemische Veränderung dieser natürlich vorkommenden Wirkstoffe erhält man die halbsynthetischen Herzglykoside, zu diesen zählt auch das Beta-Acetyldigoxin, welches im Vergleich zum direkt aus der Pflanze gewonnenen Digoxin besser vom Körper aufgenommen wird. Im Körper wird das Beta-Acetyldigoxin dann wieder ins Digoxin umgewandelt."

 

In der Phytotherapie findet man noch eine weitere Anwendung des Roten Fingerhutes:

"Umschläge mit Fingerhutabkochungen fördern die Wundheilung." (M. Pahlow)

 

In der Homöopathie spielt die Digitalis ebenfalls eine wichtige Rolle bei der Behandlung des geschwächten Herzens, aber sie wird auch angewendet bei Depressionen, Schlafstörungen, Migräne, Übelkeit, Prostataleiden...

 

Die Droge sind die Blätter, die mit großer Sorgfalt aufgearbeitet werden müssen und aus speziellen Kulturen stammen. Die Inhaltsstoffe sind empfindlich und deren Zusammensetzung variabel (auch standortabhängig, so ist zum Beispiel der Glykosidgehalt von Freilandpflanzen geringer als von Pflanzen vom Glashausanbau).

 

Digitalis ist nicht zur Selbstbehandlung geeignet. Die Anwendung der Wirkstoffe erfolgt nur in Form von standardisierten Präparaten, die verschreibungspflichtig sind und individuell und innerhalb einer sehr geringen therapeutischen Breite dosiert werden müssen. Bereits eine geringe Überdosierung wirkt toxisch: "2,5-5g Droge führen nach starker Pulsverlangsamung und anderen Begleiterscheinungen zum systolischen Herzstillstand." (Roth/Daunderer/Kormann).

 

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Digitalis grandiflora

Großblütiger Fingerhut

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