Mittelalterliche
Gemälde zeigen oft die Mutter Maria im
Rosenhag. Maria trägt eine Krone, in der Rosen zu sehen sind. Damit
will der Künstler ausdrücken, dass sie wahrhaftig ist und rein von
allem Menschenfeindlichen. Nur die vollkommene Frau, die reinste
Menschenseele konnte Mutter Gottes werden, und durch den beschützenden
Rosenhag wird das in Ewigkeit so bleiben. Das ist die bildhafte Sprache
des Künstlers.
Zur
gleichen Zeit wurden manche Gehöfte mit so einem Rosenhag eingefriedet.
Zum Schutz vor Raubtieren und Gesindel wäre auch eine Brombeerhecke
geeignet gewesen, doch menschenfeindliche Dämonen konnten mit
Rosenhecken besser abgehalten werden.
Auch
im nächsten Beispiel bedeutet die Rose die Wahrheit, "die
Weltenweisheit": Das Jesuskind auf dem Rosenbaum, der hier als
Weltenbaum dargestellt wird, überschüttet den Mönch mit der Wahrheit
in Form von Rosen. Dass der Mönch diese ihm mitgeteilte Wahrheit nicht
verschweigen soll (der Rose wird oft auch die Bedeutung der
Verschwiegenheit zugeteilt), machen die Schriftrollen deutlich.
Derartige Rosendarstellungen finden wir in der Kunst häufig, sehr oft
nur unscheinbar und nebensächlich, wie im dritten Beispiel an einem
Altarbild im Überlinger Münster: Der alte, knorrige Rosenstock unter dem
Buch soll verdeutlichen, dass hier die Wahrheit gepredigt wurde.
Wenn
eine Frau von ihrem Verehrer eine rote Rose überreicht bekommt, dann
darf sie davon ausgehen, dass er nicht nur seinen sexuellen Trieben
nachgehen will. Er will damit ausdrücken: "ich meine es
ehrlich", oder "ich liebe Dich aufrichtig", was dann auch
die menschliche, irdische Liebe mit der dazugehörigen Sexualität nicht
ausschließt. Denn die Rose ist Fünfstern, der Fünfstern birgt den
Drudenfuß als Polarität. Das irdische Leben ist ein Pendeln zwischen
Polaritäten.