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Die
Geometrie der Rose
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Betrachten
wir zunächst die botanischen Gesetzmäßigkeiten der Rose genauer:
Dabei fällt uns die besondere Anordnung der Laubblätter an den Trieben
auf. Die Blätter sind wechselständig angeordnet. Wenn unser Blick die
Ansatzstellen der Blätter von unten nach oben verfolgen will, dann muss
er eine Schraubenlinie um den Trieb beschreiben. Nach 2 Umwindungen hat
er 5 Blattansatzstellen passiert und nun das 6. Blatt erreicht, welches
wieder genau über dem 1. angeordnet ist.
In
der Anordnung der Kelch- und Blütenblätter finden wir die gleichen
Verhältnisse, nur dass dort durch das aussetzende Längenwachstum die
Spirale nicht in die Länge gedehnt, sondern auf dem Blütenboden zu
einer Fläche zusammengedrückt ist.
Betrachten
wir nun diese Spirale der Blattstellungen, also den Spross von oben
(Grafik), dann sehen wir, dass die Blätter in 5 Reihen stehen und die
Blätter einer Reihe jeweils in eine Ecke eines Fünfsternes
(Pentagramm) zeigen. Wenn wir das Blattpentagramm in Bezug auf die
Blattbildungsreihenfolge betrachten, dann wird vom 1. Blatt zum 2. eine
Ecke übersprungen, vom 2. zum 3. wieder eine Ecke übersprungen usw.,
bis das 6. Blatt wieder über dem 1. steht, das 7. über dem 2., das 8.
über dem 3.usw. Von einem Blatt zum nächsten werden immer 2/5 des Stängelumfanges
eingeschlossen. |
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Fünf
Brüder sind zur gleichen Zeit geboren,
doch
zweien nur erwuchs ein voller Bart,
zwei
andern blieb die Wange unbehaart,
dem
fünften ist der Bart zur Hälft’ geschoren.
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Dieses
mittelalterliche Rätsel ist natürlich nicht ganz richtig
formuliert:
Die
5 Brüder, die Kelchblätter der Rose, sind nicht zur gleichen Zeit
geboren, sondern sie bildeten sich, wie auch die Laubblätter, der
Reihenfolge nach (siehe Nummerierung im obigen Bild). Dem 1. und dem
2. Blatt erwuchs auf beiden Seiten eine voll ausgeprägte Fiederung.
Das 3. Blatt ist nur an einer Seite gefiedert, da die andere Seite,
als die Knospe noch geschlossen war, vom 1. Blatt überlappt wurde.
Das 4. und das 5. Blatt wurden jeweils von ihren vorhergehenden Blättern
überlappt und haben deshalb kahle Ränder.
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Dieser
verblühte Blütenstand, der etwas abnorm verändert ist, zeigt uns
deutlich die geometrische Gesetzmäßigkeit der Rose: Im Blütenbereich
findet kein Längenwachstum mehr statt, sodass die Spirale nahezu auf
einer Ebene verläuft. Hier konnte sich das 1. Blatt noch nicht recht
entscheiden, ob es ein Laub- oder lieber ein Kelchblatt sein will. Es
ist mitten im bereits verdickten Bereich des Fruchtknotens, der späteren
Hagebutte, angewachsen (siehe Bild 1, links). Es ist an seinem rechten
und linken Rand gefiedert. Kelchblatt 4 und 5 haben kahle Ränder. Das
Blatt mit der Nr. 6 ist zwar noch kein richtiges Blütenblatt, aber ein
echtes Kelchblatt ist es auch nicht mehr. Es ist genau über dem 1.
Blatt angeordnet. In der dargestellten Reihenfolge erleben wir deutlich
die Metamorphose vom Laubblatt über das Kelchblatt zum Blütenblatt.
Will
unser Blick von einem zum darauf folgenden Blatt wandern, muss er immer
ein Blatt überspringen und eine Spiralform nach rechts beschreiben.
(Ich habe nur sehr wenige Blüten gefunden, deren Spiralen nach links
"gewendelt" sind. Offensichtlich gibt es Faktoren, vielleicht
Umweltbedingungen wie z.B. schräger Lichteinfall, die einen anderen
Richtungseinschlag veranlassen können).
Nebenbei
erwähnt: Auch die meisten unserer Schneckenhäuser stellen eine Spirale
nach rechts dar, doch muss bei ihnen berücksichtigt werden, dass der
Zuwachs unten an der geöffneten Seite der Spirale stattfindet, bei der
Rose in der Triebspitze. |


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