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Von Vögeln verbreitet und vom Mensch im Zaum
gehalten, wuchert das undurchdringbare, schwarze, dornige Gestrüpp an
Waldrändern, Wegböschungen, auf Schutt- und Geröllhalden. Unausrottbar
verwurzelt es sich fest im Kalkgestein und treibt unermüdlich aus dem
Wurzelstock Adventivsprosse, um ganz allmählich immer weiter in die
Umgebung vorzudringen. Der Botaniker nennt den Schlehdorn Prunus spinosa,
was „dornige Pflaume“ bedeutet. Es handelt sich bei der Schlehe
tatsächlich um eine Pflaumenart. Sie ist sehr nahe verwandt mit unseren
beliebten Obstbäumen, namentlich den Pflaumen und den Zwetschgen, die wir
alle in der Familie der Rosengewächse
antreffen.
Das im Winter dunkle, fast schwarze
Erscheinungsbild des Strauches, was ihm auch den Volksnamen „Schwarzdorn“
eingetragen hat, kommt von dem schwarz berindeten Holz, das sehr langsam
wächst und deshalb zu unseren härtesten heimischen Hölzern zählt. Die in
die Jahre gekommenen Äste sind oft durch anhaftende Flechten ergraut. Das
extrem zurückgehaltene Längenwachstum der Zweige lässt stark zugespitzte
Kurztriebe, die Dornen, entstehen, an denen sich auch Blüten und Blätter
bilden (Vergleiche mit Rosenstacheln).
Der knorrige, fast schon verkrüppelt erscheinende Wuchs ist ebenfalls das
Ergebnis des sehr verhaltenen, spärlichen Längenwachstums der Triebe.
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Im März und April, etwa zur gleichen Zeit wie auch
ihre verwandten Pflaumenbäume, überspinnt sich das struppige Gebüsch
plötzlich über und über mit einem zarten weißen Blütenschleier noch bevor
die kleinen, elliptischen Blättchen erscheinen. Diese duftige Zartheit,
mit der sich die Schlehe eindeutig als Rosengewächs zu erkennen gibt,
hätte man diesem wilden Gestrüpp nie zugetraut. Aus jeder Blüte wird eine
zunächst kleine grüne Beere, eine Steinfrucht, die aber erst im späten
Herbst - wenn sie nicht schon vorher abfällt - dunkelblau bis schwarz und
bereift wird. Den letzten Reifeprozess erhält diese kleine Frucht erst
durch die Nachtfröste im Spätherbst, wenn alle anderen Obstgehölze schon
längst abgeerntet sind. |
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All das Beschriebene ist aber keinesfalls ein
Zeichen der Schwäche. Die Schlehe lässt sich Zeit, mehr als alle anderen
Obstgehölze. Sie blüht als eine der ersten, reift als allerletzte und
bildet doch „nur“ kleine, äußerst herb und sauer schmeckende Früchte, als
würde all die geballte Lebenskraft nicht verausgabt sondern in der Pflanze
zurückgehalten. Diese nicht verausgabte in der Pflanze zurückgehaltene
Vitalität erklärt das ganze Erscheinungsbild der Schlehe: der tief und
unausrottbar verwurzelte knorrig erscheinende Strauch an eigentlich
unfruchtbaren Standorten, das langsam wachsende harte Holz, die zu Dornen
zugespitzten Kurztriebe, die kleinen ledrigen Blättchen und die über die
gesamte Vegetationsperiode ausgedehnte Entwicklung der kleinen herben
Früchte, und letztlich auch die Wirkung der Schlehe auf den Menschen als
Heilpflanze. |
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Da sich diese Heilpflanze nicht verausgabt hat,
also nicht erschöpft ist durch überschießendes Wachstum und
aufschwellendes Fruchten, können Blüten, Blätter, junge Triebspitzen und
natürlich die Schlehenfrüchte bei Erschöpfungszuständen verschiedenster
Ursachen erfolgreich angewendet werden. Die
Signaturenlehre des Arztes Paracelsus aus dem Mittelalter lehrt uns, dass
jedes Kraut durch Beschaffenheit und Aussehen kundtut, wogegen es heilsam
sei. Wenn man diese Aussage so reduziert, wie das zum Beispiel beim
Leberblümchen geschehen ist, dann wird versucht anhand der Form eines
Blattes auf die Wirkung zu schließen, was natürlich in den allermeisten
Fällen fehlschlägt. Die Heilwirkung der Schlehe fügt sich dagegen sehr
passend ins Gesamtbild dieser Pflanze ein. |
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