Auf eine
Christblume
Tochter des
Waldes, du Lilienverwandte,
so lang von
mir gesucht, unbekannte,
im fremden
Kirchhof, öd und winterlich,
zum
erstenmal, o schöne, find ich Dich!
Von welcher
Hand gepflegt du hier erblühtest,
ich weiß es
nicht, noch wessen Grab du hütest;
ist es ein
Jüngling, so geschah ihm Heil,
ist's eine
Jungfrau, lieblich fiel ihr Teil.
Schön bist
du, Kind des Mondes, nicht der Sonne;
die wäre
tödlich andrer Blumen Wonne,
dich nährt,
den keuschen Leib voll Reif und Duft,
himmlischer
Kälte balsamsüßer Luft.
In deines
Busens goldner Fülle gründet
ein
Wohlgeruch, der sich nur kaum verkündet;
so duftete,
berührt von Engelshand,
der
benedeiten Mutter Brautgewand.
Dich
würden, mahnend an das heilge Leiden,
fünf
Purpurtropfen schön und einzig kleiden:
Doch
kindlich zierst du, um die Weihnachtszeit,
lichtgrün
mit einem Hauch dein weißes Kleid.
Eduard
Mörike.