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Des einen Leid, des andern Freud.

Der "Jahrhundert Sturm Lothar" fegte fürchterlich übers Land und riss große Wunden in die Waldbestände Süddeutschlands. Es entstanden großen Waldlichtungen - Lebensraum für das Schmalblättrige Weidenröschen (Epilobium angustifolium), eine bis nahezu 1,80m hoch werdende, mehrjährige Staude der Familie Onagraceae (Nachtkerzengewächse).

Ende Juli und im August, wenn die Digitalis verblüht, die den gleichen Lebensraum besiedelt, werden Waldlichtungen und Waldränder vom Weidenröschen purpur eingeschleiert.

 

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Zahlreiche, ca. 3 cm im Durchmesser große Blüten stehen einzeln in den Achseln der oberen Blätter eines Triebes, der in eine lange Traube übergeht. Aus vier schmal und länglich geformten und rotlila gefärbten Kelchblättern und vier herzförmigen Blütenblättern besteht die Blütenhülle. Acht Staubgefäße ragen abwärts gebogen aus der Blüte. Der Griffel besitzt eine vier-sternförmige Narbe. Diese öffnet sich jedoch erst, wenn die Staubgefäße der Blüte ihre Pollen bereits abgegeben haben, um eine Selbstbefruchtung zu vermeiden.

Aufmerksame Beobachter werden bemerken, dass die Blüte nicht kreisrund radiärsymmetrisch ist, sondern mehr oder weniger zweiseitig-symmetrisch. Die horizontale Raumlage der Blütenachse bewirkt diese Blütenumgestaltung, die wir Andeutungsweise auch bei den Königskerzen und ganz deutlich bei Rittersporn und Eisenhut beobachten können. (Zu diesem Thema mehr: Der Blütenbau der Ranunculaceae).

 

Auch der unterständige, schotenartige Fruchtknoten ist vier-kantig, wenn auch undeutlich.

Die sehr zahlreichen Samen besitzen Flughaare, mit deren Hilfe sie über weite Strecken verweht werden können.

 

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Vermutlich überdauern die Samen viele Jahre, sollten sie an einem ungünstigen Ort gelandet sein, zum Beispiel in der Dunkelheit des Waldes, bis wieder ein "Jahrhundertsturm" oder auch ein Waldbrand eine für sie geeignete Waldlichtung geschaffen hat.

 

Die schmal-lanzettlichen Blätter sind wechselständig angeordnet und haben Ähnlichkeit mit den Blättern mancher Weiden, weshalb die Pflanze auch Weidenröschen genannt wird.

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Michael Feiler

 

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