Korbblütler, oder Compositae wird diese Pflanzenfamilie genannt und das nicht ohne Grund:

Compositae kommt von compositio, das ist lateinisch und bedeutet Zusammenstellung, Anordnung, Gestaltung. Was wird da in einem Korb zusammengestellt und gestaltet?

Vielen botanisch vorgebildeten Lesern mag diese Frage banal erscheinen und doch reagieren die meisten von mir befragten mit einem Achselzucken, obwohl es sich hierbei um allgemein bekannte und überaus beliebte Pflanzen handelt, wie zum Beispiel die Sonnenblume, das Gänseblümchen, die Margeritte, die Kamille, die Pusteblume (Löwenzahn), die Ringelblume, die Wegwarte und die verbreiteten Gartenblumen wie Dahlie, Zinnie, Kosmea und Aster (die Aster hat der Familie ebenfalls ihren Nahmen geliehen, die Pflanzenfamilie wird auch Asteraceae genannt). Es ist eine gewaltig große Familie, in ihr sind ca. 14000 Arten vereinigt, etwa ein Zehntel aller Blütenpflanzen.

 

Die oben gestellte Frage, sowie dieser Bericht, befasst sich mit dem Blütentypus, der das vereinende Merkmal der Korbblütenfamilie darstellt und in dem auch die Erklärung zu suchen ist, weshalb diese Blumen bei den Menschen so beliebt sind.

 

Dia 35 mm

Dia 35 mm

Ausschnittvergr. aus Digital 2848 x 4288 Pixel

 

Nähern wir uns aufmerksam einer solchen Compositenblüte, zum Beispiel einer Sonnenblume: Wie Strahlen einer Sonne erkennen wir die leuchtend gelben Blütenblätter, um den meist dunkleren, inneren Blütenteller angeordnet. Aber gerade dieses innere Rund, das Zentrum der Blüte, in dem wir normalerweise die Befruchtungsorgane, die Staubgefäße und Stempel erwarten, offenbart uns das Wesentliche, was allen Compostienblüten gemeinsam ist. In diesem Inneren der Blüte finden wir wiederum viele kleine Einzelblüten eng aneinander gedrängt. Demzufolge haben wir es hier gar nicht, obwohl es so aussieht, mit einer großen Blüte zu tun, sondern mit einem Blütenstand.

 

Dia 35 mm

Dia 35 mm

Betrachten wir zunächst so eine Compositen-Teilblüte genauer und legen uns dazu ein etwas vereinfachtes Modell zugrunde, wohl wissend, dass es innerhalb der Familie gewisse Abweichungen und Variationen gibt: Zumindest bei einer Sonnenblume erkennen wir die Blumenkrönchen der Einzelblüten mit ihren 5 verwachsenen Zipfeln recht deutlich. Bei kleineren Compositen, wie den Gänseblümchen benötigen wir hierzu schon eine Lupe.

Digital 2848 x 4288 Pixel

Diese Einzelblüten werden Röhrenblüten genannt. In dem Krönchen sind fünf Staubgefäße, deren Staubbeutel aber zu einem Röhrchen zusammengewachsen sind, in dem der Blütenstaub gebildet wird. Der Griffel, muss durch dieses Röhrchen hindurch wachsen, und fegt somit auch den Blütenstaub an die Oberfläche. Erst danach entfaltet der Griffel seine Narben, um eine Fremdbefruchtung zu ermöglichen.

 

Nur andeutungsweise ist unter dem Blütenkrönchen ein Kelch zu finden, dafür aber häufig ein Haarkelch, der Pappus genannt wird und welcher sich während der Fruchtreife deutlich vergrößert. Dieser Pappus zeigt uns, dass die Pflanze sich mit Hilfe des Windes verbreitet. Die Pusteblume ist uns als Beispiel hierfür wohl vertraut.

 

Bei manchen Compositen findet man diesen Pappus jedoch nicht, z.B. Ringelblume, Sonnenhut und Sonnenblume.

Digital 2848 x 4288 Pixel

Ausschnittvergr. aus Digital 2848 x 4288 Pixel

Dia 35 mm

Das Teilblütchen besitzt einen unterständigen Fruchtknoten, in dem nur ein Samenkörnchen heranwächst. Diese Frucht ist in den allermeisten Fällen trocken, das bedeutet, dass sie kein Fruchtfleisch besitzt. Sie wird Achäne genannt und ist als Sonnenblumenkern allen bekannt.

 

Wenn wir auf dem Blütenteller derart gestaltete Einzelblüten, die Röhrenblüten vorfinden, dann stellt sich nun die Frage, was sind denn wohl die "Blütenblätter" des Blütenstandes, die ja so sonnenstrahlig, radiärsymmetrisch um den Blütenteller angeordnet sind, als wären sie richtige Blütenhüllblätter?

 

Digital 2848 x 4288 Pixel

digital 4288 x 2848

Auch hier handelt es sich um Einzelblüten, die sich aber zu Gunsten des ganzen Blütenstandes verändert haben: Die sogenannten Strahlenblüten entwickeln ihr fünfzipfliges Blumenkrönchen unverhältnismäßig groß und einseitig in die zur Außenseite des Blütenstandes gerichtete Richtung aus. Bei dieser Verwandlung vom Röhrenblütchen zum Strahlenblütchen, oder Zungenblütchen (wie es auch genannt wird), entstehen viele Zwischenformen: Das Krönchen bleibt zunächst fünfzipflig, verlängert aber ihre Röhre erheblich und streckt diese zur Peripherie der Compositenblüte, wie wir es zum Beispiel bei der Kornblume oder Flockenblume beobachten. Während des nächsten Schrittes spaltet sich die Blütenröhre, um sich dann schließlich zu weiten und sich zur Zunge, oder Strahlenblüte auszubreiten (die Kokardenblumen bieten uns die Möglichkeit diese Übergänge zu beobachten). Diese Ausbildung des Krönchens zum Lockorgan, geht häufig auf Kosten der Bestäubungsorgane, so dass diese äußeren Strahlenblüten oft unfruchtbar sind (Ausnahme: Calendula). Diese Randblüten übernehmen aber für das Ganze so perfekt die Rolle der Blumenkrone, dass sie sogar in der Lage sind, die Compositenblüte bei Nacht oder bei Regen zu schließen, wie es die Gänseblümchen tun.

 

Betrachtet man nun, nach diesen botanischen Gesichtspunkten die verschiedenen Compositenblüten-stände, dann stellt sich heraus, dass diese Blütenstände, oder Blütenköpfchen aus den oben beschriebenen zwei Einzelblütentypen unterschiedlich "componiert" sind. Wir finden rein röhrenblütige, rein zungenblütige und unter den gemischtblütigen alle möglichen Zwischenformen.
Röhrenblütige z.B.: Strahlenlose Kamille, Wermut, Beifuß, Silberdistel und Golddistel (die weißen, bzw. goldgelben Strahlen sind keine Blüten, sondern eine Art "Kelchblätter), Distel, Klette, Pestwurz, Flockenblume...

Zungenblütige z.B.: Löwenzahn, Wegwarte, Habichtskraut, Lattich (zum Beispiel Kopfsalat, Endiviensalat)...

Gemischtblütige z.B.: Sonnenblume, Echte Kamille, Gänseblümchen, Margerite; Arnika, Alant, Aster, Dahlie, Zinnie, Kosmea, Ringelblume...

 

Das Stängelende breitet sich zum Blütenboden aus (Sonnenblume), oder stülpt sich zum Köpfchen um (Kamille, Sonnenhut und während der Reifezeit ganz extrem die Pusteblume, die sogar eine richtige Kugelform annimmt). Der Blütenstand ist immer radiärsymmetrisch.

Dia 35 mm

Starker Ausschnitt aus Dia 35 mm

Digital

Dia 35 mm

Dia 35 nn

Digital 2848 x 4288 Pixel

Ausschnitt aus

Im Bild rechts sehen wir am Beispiel des Fruchtstandes vom Roten Sonnenhut, die Spreublättchen, in dessen Achseln je ein Samenkorn sitzt. Der Blütenboden, oder wie hier das Köpfchen, wurde durch Umstülpen des Stängels gebildet. Die Stängelblätter wurden zu diesen Spreublättchen reduziert.

Bei den Samen des Sonnenhutes ist kein Papus ausgebildet , man erkennt lediglich die kleinen Zipfel des Blütenkelches.

Dia 35 mm

Es sind Stängelblätter, die, infolge des ins Stocken kommenden Längenwachstums des Triebes im Blütenbereich, sich unter dem Blütenstand stauen und so einen Blütenkelch bilden. Das kann entweder in fließendem Übergang geschehen wie bei der Sonnenblume, oder aber auch abrupt, wenn der Stängel lang ist wie bei der Margeritte, wo die Blätter zu Schuppen reduziert werden.

Dia 35 mm

 

Wir kehren wieder zur Oberseite des Blütenstandes zurück und bemerken dort, dass die Einzelblüten keinesfalls chaotisch, oder zufällig auf dem Blütenteller oder Köpfchen verteilt sind, sondern dass dort eine genaue Geometrie verborgen ist. Besonders bei einer größeren Sonnenblume fallen uns die in steilen Bögen angeordneten Blütchen, oder später die Sonnenblumenkerne ins Auge. Diese Bögen sind einerseits im Uhrzeigersinn, aber gleichzeitig auch entgegen "gewendelt". Manchmal kann man die meist sehr undeutlich zu erkennende, sehr flache Grundspirale sehen.

Dia 35 mm

Jede einzelne kleine Blüte fügt sich ins Ganze so ein, dass so viele wie möglich auf dem Blütenteller Platz finden und ihre Aufgabe bestmöglichst erfüllen können. Unter Berücksichtigung der Bildungsreihenfolge (Divergenzwinkel) wird von einer Einzelblüte zur darauf folgenden ein Winkel von genau 137,5 Grad eingehalten. Das ist der „Goldene Winkel“, der den Kreis im Verhältnis des „Goldenen Schnittes“ teilt. Wie exakt das von dem Blütenstaat eingehalten wird, zeigt uns eine Simulation (aus Kosmos).

Ausschnitt aus Digital 2848 x 4288 Pixel
bullet

Vergleiche: Die Geometrie der Rose

 

Dia 35 mm

Die Individuen im Innern der Compositenblüte sind so gestaltet, dass sie der Aufgabe der Bestäubung gerecht werden, während die Blüten am Rande für die Lockwirkung des Blütenstaates zuständig sind.

Dia 35 mm

Die Heide-Nelke

Digital 2848 x 4288 Pixel

Der Mauerlattich

Digital 2848 x 4288 Pixel

Der Mauerlattich

Das gelbe fünfblütige Blütenkörbchen des Mauerlattichs könnte den Verdacht erwecken, es handele sich hier um eine Nelkenart. Die Art der Samenbildung gibt jedoch deutlich zu erkennen, dass es ein Korbblütengewächs sein muss.


So hat jede kleine Einzelblüte, ja sogar die zu Kelchblätter umfunktionierten Stängelblätter ihre Aufgabe im Ganzen und nur dadurch wird das Ganze wiederum zur Einheit, zum Sinnbild eines idealen sozialen Gefüges, zur Compositenblüte.

Dazu ein Zitat:
Suchst du das Höchste, das Größte? Die Pflanze kann es dich lehren.
Was sie willenlos ist, sei du es wollend – das ist's!

Friedrich von Schiller



Ganz zum Schluss möchte ich noch kurz versuchen, zu schildern, was die Arten der Compositae außer ihres Blütentypus noch verbindet und dabei fällt mir erst auf, dass die Pflanzenkörper der Compositae äußerst vielgestaltig sind. Wir finden innerhalb der Familie einjährige und zweijährige Kräuter sowie Stauden und verholzende Zwergsträucher. Es ist nicht wie zum Beispiel bei den Lippenblütlern möglich, anhand verschiedener Merkmale wie zum Beispiel die Kreuzgegenständigkeit der Blattstellung, der vierkantige Stängel und der Gehalt an Ätherischen Ölen... eine nicht in Blüte stehende Pflanze der Familie zuzuordnen. Der Blütentypus wie oben beschrieben macht eben einen Korbblütler aus.

Giftpflanzen sind selten unter den Compositae, der Giftlattich dürfte einer der giftigsten sein. Wasserpflanzen und windende Pflanzen gibt es auch nicht in dieser lichthaften Familie.

Dagegen versammeln sich in ihr überaus populäre Heilpflanzen wie Kamille, Ringelblume, Arnika, Alant, Schafgarbe, Beifuß, Wermut, Goldrute, um die wichtigsten zu nennen.

Digital 2848 x 4288 Pixel

Dia 35 mm

digital 3 megapixel

Dia 35 mm

digital

Ausschnitt aus Dia 35 mm

Dia 35 mm

 

bullet

Zu den Compositae

bullet

Zur Pflanzenliste

 

 

Bitte beachten Sie:

Trotz sorgfältiger Beobachtungen und Recherchen können sich sachliche Fehler einschleichen. Für die sachliche Richtigkeit der Inhalte von Camerabotanica kann ich nicht garantieren. Sollten Sie Fehler entdecken, bin ich für freundliche Hinweise dankbar.

Alle Links, die mit (ext.) gekennzeichnet sind, führen in fremde Bereiche außerhalb der Feilerseiten oder Camerabotanica. Auf die Gestaltung und die Inhalte dieser fremden Bereiche habe ich keinen Einfluss, weshalb ich keine Verantwortung für diese übernehmen kann. Sollten dort Inhalte publiziert sein, die sachlich falsch sind, die gegen geltendes Recht oder gegen die guten Sitten verstoßen, distanziere ich mich davon ausdrücklich. Allein mein wohlwollender Hinweis auf fremde Bereiche begründet kein Verschulden und damit keine Haftung meinerseits.

 

 

 

Foto & Copyright

Michael Feiler

www.camerabotanica.de
Übersicht
Pflanzen
Galerie
Ausstellungen
Foto-Info
Aktuelles
Kontakt
Links
Zur Rose
Zu den Korbblütlern
 
 
 
 

Foto & Copyright

Michael Feiler

 

copyright lives