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Korbblütler, oder Compositae wird diese
Pflanzenfamilie genannt und das nicht ohne Grund:
Compositae kommt von compositio, das ist lateinisch und bedeutet
Zusammenstellung, Anordnung, Gestaltung. Was wird da in einem Korb
zusammengestellt und gestaltet? Vielen botanisch vorgebildeten Lesern mag diese Frage banal erscheinen und
doch reagieren die meisten von mir befragten mit einem Achselzucken, obwohl
es sich hierbei um allgemein bekannte und überaus beliebte Pflanzen handelt,
wie zum Beispiel die Sonnenblume, das Gänseblümchen, die Margeritte, die
Kamille, die Pusteblume (Löwenzahn), die Ringelblume, die Wegwarte und die
verbreiteten Gartenblumen wie Dahlie, Zinnie, Kosmea und Aster (die Aster
hat der
Familie ebenfalls ihren Nahmen geliehen, die Pflanzenfamilie wird auch Asteraceae genannt). Es ist eine gewaltig große Familie, in ihr sind ca.
14000 Arten vereinigt, etwa ein Zehntel aller Blütenpflanzen.
Die oben gestellte Frage, sowie dieser Bericht, befasst sich mit dem
Blütentypus, der das vereinende Merkmal der Korbblütenfamilie darstellt und
in dem auch die Erklärung zu suchen ist, weshalb diese Blumen bei den
Menschen so beliebt sind. |


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Nähern wir uns aufmerksam einer solchen
Compositenblüte, zum Beispiel einer Sonnenblume: Wie Strahlen einer Sonne
erkennen wir die leuchtend gelben Blütenblätter, um den meist dunkleren,
inneren Blütenteller angeordnet. Aber gerade dieses innere Rund, das Zentrum
der Blüte, in dem wir normalerweise die Befruchtungsorgane, die Staubgefäße
und Stempel erwarten, offenbart uns das Wesentliche, was allen Compostienblüten gemeinsam ist. In diesem Inneren der Blüte finden wir
wiederum viele kleine Einzelblüten eng aneinander gedrängt. Demzufolge haben
wir es hier gar nicht, obwohl es so aussieht, mit einer großen Blüte zu tun,
sondern mit einem Blütenstand. |

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Betrachten wir zunächst so eine Compositen-Teilblüte
genauer und legen uns dazu ein etwas vereinfachtes Modell zugrunde, wohl
wissend, dass es innerhalb der Familie gewisse Abweichungen und Variationen
gibt: Zumindest bei einer Sonnenblume erkennen wir die Blumenkrönchen der
Einzelblüten mit ihren 5 verwachsenen Zipfeln recht deutlich. Bei kleineren
Compositen, wie den Gänseblümchen benötigen wir hierzu schon eine Lupe. |
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Diese Einzelblüten werden Röhrenblüten genannt. In
dem Krönchen sind fünf Staubgefäße, deren Staubbeutel aber zu einem Röhrchen
zusammengewachsen sind, in dem der Blütenstaub gebildet wird. Der Griffel,
muss durch dieses Röhrchen hindurch wachsen, und fegt somit auch den
Blütenstaub an die Oberfläche. Erst danach entfaltet der Griffel seine
Narben, um eine Fremdbefruchtung zu ermöglichen. Nur andeutungsweise ist unter dem Blütenkrönchen ein Kelch zu finden, dafür
aber häufig ein Haarkelch, der Pappus genannt wird und welcher sich während
der Fruchtreife deutlich vergrößert. Dieser Pappus zeigt uns, dass die
Pflanze sich mit Hilfe des Windes verbreitet. Die Pusteblume ist uns als
Beispiel hierfür wohl vertraut. Bei manchen
Compositen findet man diesen Pappus jedoch nicht, z.B. Ringelblume,
Sonnenhut und Sonnenblume. |


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Das Teilblütchen besitzt einen unterständigen
Fruchtknoten, in dem nur ein Samenkörnchen heranwächst. Diese Frucht ist in
den allermeisten Fällen trocken, das bedeutet, dass sie kein Fruchtfleisch
besitzt. Sie wird Achäne genannt und ist als Sonnenblumenkern allen bekannt. Wenn wir auf dem Blütenteller derart gestaltete Einzelblüten, die
Röhrenblüten vorfinden, dann stellt sich nun die Frage, was sind denn wohl
die "Blütenblätter" des Blütenstandes, die ja so sonnenstrahlig,
radiärsymmetrisch um den Blütenteller angeordnet sind, als wären sie
richtige Blütenhüllblätter? |

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Auch hier handelt es sich um Einzelblüten, die sich
aber zu Gunsten des ganzen Blütenstandes verändert haben: Die sogenannten
Strahlenblüten entwickeln ihr fünfzipfliges Blumenkrönchen unverhältnismäßig
groß und einseitig in die zur Außenseite des Blütenstandes gerichtete
Richtung aus. Bei dieser Verwandlung vom Röhrenblütchen zum
Strahlenblütchen, oder Zungenblütchen (wie es auch genannt wird), entstehen
viele Zwischenformen: Das Krönchen bleibt zunächst fünfzipflig, verlängert
aber ihre Röhre erheblich und streckt diese zur Peripherie der
Compositenblüte, wie wir es zum Beispiel bei der Kornblume oder Flockenblume
beobachten. Während des nächsten Schrittes spaltet sich die Blütenröhre, um
sich dann schließlich zu weiten und sich zur Zunge, oder Strahlenblüte
auszubreiten (die Kokardenblumen bieten uns die Möglichkeit diese Übergänge
zu beobachten). Diese Ausbildung des Krönchens zum Lockorgan, geht häufig
auf Kosten der Bestäubungsorgane, so dass diese äußeren Strahlenblüten oft
unfruchtbar sind (Ausnahme: Calendula). Diese Randblüten übernehmen aber für
das Ganze so perfekt die Rolle der Blumenkrone, dass sie sogar in der Lage
sind, die Compositenblüte bei Nacht oder bei Regen zu schließen, wie es die
Gänseblümchen tun. Betrachtet man nun, nach diesen botanischen Gesichtspunkten die
verschiedenen Compositenblüten-stände, dann stellt sich heraus, dass
diese Blütenstände, oder Blütenköpfchen aus den oben beschriebenen zwei
Einzelblütentypen unterschiedlich "componiert" sind. Wir finden rein
röhrenblütige, rein zungenblütige und unter den gemischtblütigen alle
möglichen Zwischenformen.
Röhrenblütige z.B.: Strahlenlose Kamille, Wermut, Beifuß, Silberdistel und
Golddistel (die weißen, bzw. goldgelben Strahlen sind keine Blüten, sondern
eine Art "Kelchblätter), Distel, Klette, Pestwurz, Flockenblume...
Zungenblütige z.B.: Löwenzahn, Wegwarte, Habichtskraut, Lattich (zum
Beispiel Kopfsalat, Endiviensalat)...
Gemischtblütige z.B.: Sonnenblume, Echte Kamille, Gänseblümchen,
Margerite; Arnika, Alant, Aster, Dahlie, Zinnie, Kosmea, Ringelblume...
Das Stängelende breitet sich zum Blütenboden aus (Sonnenblume), oder stülpt
sich zum Köpfchen um (Kamille, Sonnenhut und während der Reifezeit ganz
extrem die Pusteblume, die sogar eine richtige Kugelform annimmt). Der
Blütenstand ist immer radiärsymmetrisch. |






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Im Bild rechts sehen wir am Beispiel des Fruchtstandes vom Roten Sonnenhut, die
Spreublättchen, in dessen Achseln je ein Samenkorn sitzt. Der Blütenboden,
oder wie hier das Köpfchen, wurde durch Umstülpen des Stängels gebildet. Die
Stängelblätter wurden zu diesen Spreublättchen reduziert.
Bei den Samen des Sonnenhutes
ist kein Papus ausgebildet , man erkennt lediglich die kleinen Zipfel des
Blütenkelches.
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Es sind Stängelblätter, die, infolge des ins Stocken
kommenden Längenwachstums des Triebes im Blütenbereich, sich unter dem
Blütenstand stauen und so einen Blütenkelch bilden. Das kann entweder in
fließendem Übergang geschehen wie bei der Sonnenblume, oder aber auch
abrupt, wenn der Stängel lang ist wie bei der Margeritte, wo die Blätter zu
Schuppen reduziert werden. |
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Wir kehren wieder zur Oberseite des Blütenstandes
zurück und bemerken dort, dass die Einzelblüten keinesfalls chaotisch, oder
zufällig auf dem Blütenteller oder Köpfchen verteilt sind, sondern dass dort
eine genaue Geometrie verborgen ist. Besonders bei einer größeren
Sonnenblume fallen uns die in steilen Bögen angeordneten Blütchen, oder
später die Sonnenblumenkerne ins Auge. Diese Bögen sind einerseits im
Uhrzeigersinn, aber gleichzeitig auch entgegen "gewendelt". Manchmal kann
man die meist sehr undeutlich zu erkennende, sehr flache Grundspirale sehen. |
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Jede einzelne kleine Blüte fügt sich ins Ganze so
ein, dass so viele wie möglich auf dem Blütenteller Platz finden und ihre
Aufgabe bestmöglichst erfüllen können. Unter Berücksichtigung der
Bildungsreihenfolge (Divergenzwinkel) wird von einer Einzelblüte zur darauf
folgenden ein Winkel von genau 137,5 Grad eingehalten. Das ist der „Goldene
Winkel“, der den Kreis im Verhältnis des „Goldenen Schnittes“ teilt. Wie
exakt das von dem Blütenstaat eingehalten wird, zeigt uns eine Simulation
(aus Kosmos).


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Die Individuen im Innern der Compositenblüte sind so
gestaltet, dass sie der Aufgabe der Bestäubung gerecht werden, während die
Blüten am Rande für die Lockwirkung des Blütenstaates zuständig sind.
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Die Heide-Nelke |

Der Mauerlattich |

Der Mauerlattich |
Das gelbe fünfblütige Blütenkörbchen
des Mauerlattichs könnte den Verdacht erwecken, es handele sich hier um eine
Nelkenart. Die Art der Samenbildung gibt jedoch deutlich zu erkennen, dass
es ein Korbblütengewächs sein muss.
So hat jede kleine Einzelblüte, ja sogar die zu Kelchblätter
umfunktionierten Stängelblätter ihre Aufgabe im Ganzen und nur dadurch wird
das Ganze wiederum zur Einheit, zum Sinnbild eines idealen sozialen Gefüges,
zur Compositenblüte.
Dazu ein Zitat:
Suchst du das Höchste, das Größte? Die Pflanze kann es dich lehren.
Was sie willenlos ist, sei du es wollend – das ist's!
Friedrich von Schiller
Ganz zum Schluss möchte ich noch kurz versuchen, zu schildern, was die Arten
der Compositae außer ihres Blütentypus noch verbindet und dabei fällt mir
erst auf, dass die Pflanzenkörper der Compositae äußerst vielgestaltig sind.
Wir finden innerhalb der Familie einjährige und zweijährige Kräuter sowie
Stauden und verholzende Zwergsträucher. Es ist nicht wie zum Beispiel bei
den Lippenblütlern möglich, anhand verschiedener Merkmale wie zum Beispiel
die Kreuzgegenständigkeit der Blattstellung, der vierkantige Stängel und der
Gehalt an Ätherischen Ölen... eine nicht in Blüte stehende Pflanze der
Familie zuzuordnen. Der Blütentypus wie oben beschrieben macht eben einen
Korbblütler aus.
Giftpflanzen sind selten unter den Compositae, der Giftlattich dürfte einer
der giftigsten sein. Wasserpflanzen und windende Pflanzen gibt es auch nicht
in dieser lichthaften Familie.
Dagegen versammeln sich in ihr überaus populäre Heilpflanzen wie Kamille,
Ringelblume, Arnika, Alant, Schafgarbe, Beifuß, Wermut, Goldrute, um die
wichtigsten zu nennen. |







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Michael Feiler
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