Die Gattung Vinca umfasst immergrüne oder sommergrüne Halbsträucher und ausdauernde Stauden,
die von Nordafrika über Süd- und Mitteleuropa bis nach Südwest- und
Zentralasien verbreitet sind.
Vinca minor ist ein 15-20 cm
hoher Halbstrauch aus der Familie der Hundsgiftgewächse
(Apocynaceae).
Wie schon der deutsche Name verrät, ist
die Pflanze immergrün, die Stängel sind niederliegend und bewurzeln sich. Die Blätter
sind länglich bis lanzettlich und kahl (Vinca
major hat bewimperte Kelchzipfel und Blattränder), sie sind gegenständig
am Stängel angeordnet, kurz gestielt und lederartig. Im April und Mai und
gelegentlich noch einmal im Oktober sehen wir die blauvioletten Blüten; sie
betragen 25-30 mm im Durchmesser, stehen einzeln und besitzen 5 Kronblätter,
die an der Basis verwachsen sind.
Die Frucht ist lanzettlich.
Die Pflanze vermehrt sich vor
allem durch Ausläufer recht schnell.
Die langen, schlangenförmigen
Triebe sind wohl für den Namen Vinca verantwortlich, der sich vom lateinischen
vincire·(winden) ableitet.
Das Immergrün wird häufig als
anspruchsloser Bodendecker in Gärten und auf Friedhöfen angebaut.
Vermutlich ist es bei uns ursprünglich nicht heimisch sondern schon vor
langer Zeit aus Süd-West Europa eingeführt worden. Schon im Mittelalter wurde das
Kleine Immergrün in Burggärten und Klostergärten kultiviert, aus denen die
wuchsfreudige Pflanze verwilderte.
Vinca minor liebt sehr nährstoffreichen Lehm-
oder Tonboden, auf nicht zu sonnigen Standorten, besser noch im
Halbschatten, mit hoher Luftfeuchtigkeit. An solchen Standorten kommt das
Kleine Immergrün
meist in größeren Beständen vor. Besonders häufig tritt es im Bereich von
ehemaligen Siedlungen auf, die schon längst vom Wald überwachsen worden
sind. Diesen Umstand nutzen Archäologen,
die mit Hilfe von Vinca-Vorkommen alte Siedlungsreste aufspüren.
Der üppige Wuchs und der
zusammenziehende Geschmack der Blätter führten zu dem Volksglauben, dass
dieser Pflanze bindende Kräfte innewohnen würden. Dieses Kraut befände
sich im Besitz der Venus, und es hieß, wenn Mann und Frau gemeinsam von
den Blättern essen, entstehe Liebe zwischen ihnen.
Außerdem wurde das Kauen der
Blätter zum Stillen von Nasenbluten und zur Betäubung von Zahnschmerzen
empfohlen, oder man band sich die Ranken um die Waden, um Krämpfe zu
lösen.
Das Immergrün hatte aber auch
eine recht düstere Bedeutung, die beispielsweise im Volksnamen des
süddeutschen Sprachraumes zum Ausdruck kommt: Totenblatt und Totenblümchen.
In Italien, wo die Pflanze "fiore
di morte" heißt, schmückte man tote Kinder mit dem Immergrün.
In Frankreich wurde die Pflanze "violette des sorciers"
genannt. Zum Tode Verurteilte wurden auf dem Weg zur Exekution damit
bekränzt.
(Planzenschätze aus alten
Gärten, Brickel/Sharman, Verlag Ulmer)
Vinca minor ist eine Heilpflanze
und enthält Alkaloide z.B. Vincamin, ein Antidementivum, und Vincristin, ein
Zytostatikum.
Diverse Krebserkrankungen
werden auch heute mit Vincristin behandelt.
Die Behandlung ist sehr nebenwirkungsreich.
Anwendungsgebiete von Vinca minor
sind cerebrale und
periphere Durchblutungsstörungen. Es wirkt ebenfalls blutdrucksenkend und sedierend.