Weiß blühende Zwiebelpflanzen wurden von den
Botanikern früherer Zeiten „Leucoion“ (weißes Veilchen) benannt. Erst der
Botaniker Linné ordnete das Schneeglöckchen seiner eigenen Gattung „Galanthus“
zu. Galantus wurde aus den griechischen Wörtern „gala“ (Milch) und „anthos“
(Blume) zusammengefügt.
Es war ein alter,
heute fast vergessener Brauch, am 2. Februar, dem Lichtmesstag,
Schneeglöckchen als Sinnbild der Reinheit und des nahenden Frühlings auf
den Altar zu streuen. Eine Legende erzählt, dass sich nach der Vertreibung
von Adam und Eva aus dem Paradies Schneeflocken in kleine Blüten
verwandelten.
Das
Schneeglöckchen ist eine ausdauernde Zwiebelpflanze mit grundständigen,
linealen, graugrünen Laubblättern. Die einzeln, endständig und nickend am
Stängel hängenden Blüten besitzen drei äußere weiße und drei innere, innen
grünlich gestreifte Blütenblätter. Typisch für Amaryllisgewächse ist der
unterständige Fruchtknoten (bei Liliengewächsen oberständig). Die Samen
der Schneeglöckchen besitzen ein fett- und eiweißreiches „Anhängsel“,
deretwegen sie von Ameisen gesammelt und über weite Strecken verschleppt
werden.
Die Pflanze
braucht nährstoffreichen, humushaltigen, tiefgründigen Lehmboden, der
stets feucht sein muss. Feuchte Bergwälder und Auwälder werden bevorzugt,
aber auch auf feuchten Bergwiesen an Nord- oder Nordwesthängen, in den
südlichen Alpen bis in Höhen von 2000 m, kann man sie antreffen.
Natürliche Vorkommen in Mittel- und Nordeuropa sind äußerst selten. Das
Schneeglöckchen steht deshalb unter Naturschutz.
Die vielen vermeintlichen natürlichen Standorte befinden sich meist in
unmittelbarer Nähe von alten oder ehemaligen Klöstern oder Siedlungen.
Dort wurde es vermutlich wegen seiner religiösen Bedeutung einst als
Zierpflanze angebaut und ist im Laufe der Jahrhunderte aus der Kultur
ausgebrochen.
Vielleicht hatten unsere Vorfahren aber auch schon eine Ahnung von der
Heilkraft, die in der ca. 1 cm im Durchmesser großen Zwiebel des
Schneeglöckchens steckt.
Gefunden wurden darin Alkaloide wie Galanthamin und Lycorin. Diese
verursachen nach Verzehr Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und enge Pupillen.
Mit dieser Giftwirkung schützt sich die Pflanze, denn sie tritt bei allen
Wirbeltieren auf, weshalb die Zwiebeln z.B. auch von Wühlmäusen verschmäht
werden.
Galanthamin, dieser Wirkstoff aus den Zwiebeln von Schneeglöckchen und
Osterglocken, vermag laut neueren Erkenntnissen der Medizinforschung das
Fortschreiten der Alzheimer-Krankheit zu bremsen. Dem krankhaften Verlust
des Neurotransmitters Acetylcholin bei Alzheimerpatienten wirkt das
Galanthamin entgegen. Dadurch können die normalen Gehirnfunktionen über
längere Zeit erhalten bleiben.
In unseren Gärten ist das Schneeglöckchen Galanthus nivalis sehr beliebt
und verwildert zusammen mit dem
Winterling schnell aus den Frühlingsbeeten
in fast alle Bereiche des Gartens und darüber hinaus.