Innenleben
eines Gänseblümchens
Steinheimer
Michael Feiler blickt mit "Camerabotanica" in Pflanzen - im
Kreiskrankenhaus
Seine
Bilder scheinen zu duften.
Hobbyfotograf
Michael Feiler kriecht mit der Linse in Blütenkelche und
Blätterformationen hinein. Zu seinen Fotografien liefert er auf seiner
Homepage ausführliche Informationen rund um die Pflanzen. Der
gebürtige Steinheimer stellt bis 9. Juni im Foyer des Heidenheimer
Kreiskrankenhauses aus.
Eine
Rose ist eine Rose - und doch ein wenig mehr. Seit dem Mittelalter
Symbol für die Liebe, ja, sogar Allegorie für die Angebetete wie im
"Roman de la Rose" - und wenn man sich eine Rose genau
anschaut, dann entdeckt man als Grundstruktur einen Fünfstern, ein
Pentagramm, das geometrischen Gesetzen gehorcht.
Michael
Feiler sieht genau hin. Der Fotograf sucht das Wunder im Kleinen, die
fantastischen Naturgesetze, nach denen sogar die bescheidene Blüte
eines Gänseblümchens aufgebaut ist.
Die
Bilder von Feilers "Camerabotanica" taugen nicht für das
Bestimmungsbuch. Sie sind poetische Innenansichten einer Welt, die für
viele Städter beinahe verloren zu sein scheint.
Der
gebürtige Steinheimer, der mittlerweile in Salem lebt und dort im
eigenen Garten seinen Beobachtungen nachgeht, sieht seine Beschäftigung
mit der Botanik ganz bewusst als Gegenpol zur hektischen Alltagswelt und
ihrer Medienlandschaft. "Wenn sich eine Gesellschaft Abend für
Abend mehrere Morde, Horror und Aktion vor Augen führt, anstatt
Erholung in erfreulicheren Dingen zu suchen, dann kann das nicht ohne
Auswirkung auf ihren Seelenzustand bleiben", schreibt er auf seiner
Homepage (www.camerabotanica.de).
Schon
als Kind hat Feiler im elterlichen Garten in Steinheim Bäume gepflanzt.
Und das Interesse für Botanik hat nicht nachgelassen, obwohl sich der
gelernte Landwirt mittlerweile zum Krankenpfleger hat umschulen lassen.
Michael
Feiler an seinem Lieblingsort: In der Natur, umgeben von
Pflanzen, fühlt sich der gebürtige Steinheimer am wohlsten.
Foto:
priv
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Aus
einer Karteikartensammlung seiner botanischen Betrachtungen entstand
nach und nach eine Datenbank. Fotografiert hat er dabei zunächst nur
"um das Beobachtete festzuhalten". Auch heute sieht er sich
nicht als Künstler, sondern als Dokumentar der Wirklichkeit. *Und
seine Datenbank ist seit einiger Zeit im Internet zu betrachten. (*
Anmerkung von Michael Feiler: Das ist nicht ganz korrekt.
Bei Camerabotanica sind nur wenige Pflanzenportraits von Pflanzen
veröffentlicht, die ich interessant finde, natürlich sollen es mit der
Zeit mehr werden.) Im globalen Medium kann man dort den
scheinbar unbedeutenden Pflanzen vor der Haustür nachstöbern.
Denn
Feiler geht es nicht darum, ausgefallene Gewächse zu beschreiben.
"Ich möchte die Schönheit der ganz einfachen Pflanzen
fotografieren". Dass auch ein Gänseblümchen den Regeln des
goldenen Schnittes gehorcht, gehört dabei zu den Entdeckungen, die ihn
begeistern. "Das ist so faszinierend, dass ich mich wundere, dass
es so wenig Beachtung findet."
Er
will die Natur für sich sprechen lassen - dazu gehört für den
39-Jährigen auch, die Fotografien am Computer nur minimal bezüglich
Farbe und Kontraste zu bearbeiten.
Dennoch
entblättern sich dem Betrachter ungeahnte Einblicke in das Innenleben
heimischer Pflanzen. Farb- und Formenwelten, an denen man täglich und
oft achtlos vorbeigeht, werden hier in den Mittelpunkt gerückt, zum
Teil ausführlichst und über die Grenzen der Biologie hinaus erläutert
- und sie zeigen sich als prächtige Wunderwerke der Natur.
bes